02 April 2026, 16:08

Stehende Ovationen für Häftlingstheater in Wiesbaden

Titelbild eines aufgeschlagenen Buches mit dem Titel "The Theatre: A Monthly Review of the Drama, Music, and the Fine Arts", das eine Textseite und ein Logo zeigt.

Stehende Ovationen für Häftlingstheater in Wiesbaden

Ausverkaufte Theateraufführung in der Jugendstrafanstalt Wiesbaden

Letzte Woche fand in der Jugendstrafanstalt Wiesbaden eine ausverkaufte Theateraufführung statt. Fast 80 Zuschauer versammelten sich, um DNA zu sehen – ein Stück, das sich mit Gruppendynamik unter Jugendlichen und eskalierender Gewalt auseinandersetzt. Die Produktion war ein weiterer Erfolg des langjährigen Resozialisierungsprogramms der Anstalt.

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Die Schauspieler – allesamt Inhaftierte – erhielten nach dem Fall des Vorhangs stehende Ovationen. Einige Zuschauer riefen "Bravo!" und stampften begeistert mit den Füßen.

Das Theaterprojekt der Justizvollzugsanstalt existiert bereits seit über einem Jahrzehnt. Jährlich wird ein Stück einstudiert und aufgeführt, wobei alle zehn Vorstellungen innerhalb weniger Tage ausverkauft sind. Diesmal entschied sich Regisseur Matze Vogel für DNA des britischen Dramatikers Dennis Kelly, eine schwarze Komödie über jugendliche Moral und Gruppenzwang.

Neun Häftlinge wurden aus fast 20 Bewerbern als Schauspieler ausgewählt, zwei weitere kümmerten sich um Licht und Ton. B., einer der Techniker, schätzt die Verantwortung, zieht es aber vor, im Hintergrund zu arbeiten. Die Aufführung fand auf der fest installierten Studiobühne der Anstalt statt – die erste ihrer Art in Deutschland.

Für die Darsteller geht das Erlebnis über bloße Unterhaltung hinaus. J., einer der Schauspieler, sagte: "Theater lässt mich frei fühlen" – trotz seiner Inhaftierung. E., ein weiterer Teilnehmer, erklärte, dass ihn das Hineinschlüpfen in verschiedene Rollen helfe, die eigenen Emotionen besser zu verstehen. Nathalie Meyer, die Kostümbildnerin, arbeitet seit zehn Jahren mit dem Projekt zusammen und sorgt dafür, dass die Schauspieler bei Inszenierung und Kostümen mitreden können.

Das Hessische Justizministerium fördert das Programm mit bis zu 50.000 Euro jährlich und verlangt vierteljährliche Berichte über Teilnahme und Resozialisierungserfolge. Anders als ähnliche Initiativen in Bayern oder Nordrhein-Westfalen, die sich aus Landesmitteln und EU-Zuschüssen finanzieren, wird das hessische Modell zentral und ohne externe Spenden getragen.

Nach dem letzten Vorhang verbeugten sich Ensemble und Crew mehrfach unter donnerndem Applaus – ein weiterer bewegender Moment für die Resozialisierungsarbeit der Anstalt.

Das Theaterprogramm soll junge Gefangene durch die Förderung sozialer Verantwortung auf ein Leben nach der Entlassung vorbereiten. Mit einer eigenen Bühne und gesicherter Finanzierung bietet das Projekt eine seltene kreative Plattform im Strafvollzug. Die diesjährige Aufführung von DNA unterstrich erneut seinen Ruf als unverzichtbarer Bestandteil des Resozialisierungsprozesses.

Quelle