Marathon-Theater feiert triumphales Comeback auf deutschen Bühnen
Deutsches Theater erlebt ein Comeback der Marathon-Aufführungen
Nach Jahren kürzerer Stücke kehrt das deutsche Theater zu mehrstündigen Inszenierungen zurück. Während der Pandemie wurden die Produktionen kürzer und ohne Pausen gestaltet, um sich den veränderten Gewohnheiten des Publikums anzupassen. Nun erleben epische Stücke wie Wallenstein und Peer Gynt eine Renaissance – ein Test dafür, ob moderne Zuschauer noch die Geduld für stundenlange Dramen aufbringen.
Lange Theaterabende haben in Deutschland eine lange Tradition. In den 1970er- und 1980er-Jahren prägte das Regietheater mit seinen grenzenlosen, immersiven Inszenierungen die Szene. Robert Wilsons Einstein on the Beach, 1976 uraufgeführt, dauerte bis zu fünf Stunden. Diese Tradition des Marathon-Theaters verschwand nie ganz, verblasste jedoch während der Pandemie.
Der Trend zu kürzeren Stücken war deutlich, als die Theater nach den Lockdowns wieder öffneten. Viele Produktionen strichen Pausen komplett und hielten das Publikum ohne Unterbrechung weniger als zwei Stunden auf den Plätzen. Die Veränderung spiegelte die Konkurrenz durch Streaming-Dienste und On-Demand-Unterhaltung zu Hause wider.
Doch nun kehrt sich der Trend um. Die Münchner Kammerspiele zeigen Wallenstein: Ein Fest des Krieges in sieben Gängen, ein siebenstündiges Epos mit drei bewirteten Pausen. Die Tickets für die Produktion waren beim diesjährigen Theatertreffen (1. bis 17. Mai) schnell ausverkauft. Auch die Berliner Volksbühne bringt Peer Gynt zurück auf die Bühne – ein Stück, dessen erste Fassung einst acht Stunden dauerte. Diese Inszenierungen beweisen: Trotz fehlender offizieller Daten des Deutschen Bühnenvereins zieht das Marathon-Theater nach wie vor Publikum an.
Die Rückkehr zu diesen langatmigen Aufführungen deutet auf eine erneute Sehnsucht nach intensiven Theatererlebnissen hin. Zwar bevorzugte das Publikum in der Pandemiezeit kürzere Formate, doch ausverkaufte Vorstellungen wie Wallenstein zeigen, dass Zuschauer weiterhin bereit sind, sich auf anspruchsvolle, mehrstündige Produktionen einzulassen. Der Erfolg dieser Wiederbelebungen könnte beeinflussen, wie Theater künftig zwischen Tradition und modernen Sehgewohnheiten balancieren.






