Kunstakademie Düsseldorf: Streit um akademische Freiheit und politische Einmischung eskaliert
Emma KrauseOffener Brief Warnt vor politischem Druck auf Universit├Ąten - Kunstakademie Düsseldorf: Streit um akademische Freiheit und politische Einmischung eskaliert
In Düsseldorf ist eine hitzige Debatte über die akademische Freiheit entbrannt, nachdem die Kunstakademie die palästinensische Künstlerin Basma al-Sharif zu einem Vortrag eingeladen hatte. Die Veranstaltung am 16. Februar 2026 wurde nach Drohungen in sozialen Medien auf ein internes Publikum beschränkt – obwohl die Behörden ihre Äußerungen als nicht strafbar eingestuft hatten. Nun haben über 1.100 Wissenschaftler:innen, Künstler:innen und Kulturschaffende einen offenen Brief unterzeichnet, in dem sie die Rektorin der Akademie, Donatella Fioretti, verteidigen und vor politischer Einmischung an Universitäten warnen.
Der Streit begann im Januar 2026, als al-Sharifs geplanter Auftritt Vorwürfe des Antisemitismus seitens zionistischer Gruppen auslöste. Die Proteste eskalierten, sodass die Akademie die Veranstaltung für die Öffentlichkeit schließen musste. Bis März forderte eine Petition mit mehr als 700 Unterschriften – darunter Düsseldorfs Oberbürgermeister Stephan Keller (CDU), der Vorsitzende der jüdischen Gemeinde, Oded Horowitz, und der Antisemitismus-Beauftragte Wolfgang Rolshoven – Fiorettis Rücktritt. Diese lehnte ab, zurückzutreten.
Als Reaktion schlossen sich prominente Persönlichkeiten wie der Fotograf Wolfgang Tillmans, die Philosophinnen Susan Neiman und Nancy Fraser sowie die Historikerin Barbara Stollberg-Rilinger dem offenen Brief an. Sie kritisierten eine Formulierung des Wissenschaftsausschusses von Nordrhein-Westfalen, die ihrer Meinung nach grundlegende Freiheiten unberechtigt unter Generalverdacht stelle. Der Brief verweist zudem auf Artikel 5 des Grundgesetzes, der künstlerische und wissenschaftliche Äußerungen schützt – selbst wenn sie umstritten sind.
Fioretti soll in dieser Woche vor einer Sonderitzung des Ausschusses für Kultur und Medien des Landtages aussagen. Die Unterzeichner:innen betonen, dass die aktuelle Situation die Gefahr berge, politische Einmischung an Hochschulen zu normalisieren. Sie fordern die Abgeordneten auf, sich erneut klar zu den verfassungsmäßigen Schutzrechten gegen Zensur zu bekennen.
Im Mittelpunkt des Konflikts steht die Frage, ob al-Sharifs Veranstaltung hätte abgesagt werden müssen und ob Fiorettis Führung noch haltbar ist. Mit dem offenen Brief und der anstehenden Parlamentssitzung hat die Debatte nun über Düsseldorf hinaus Strahlkraft entwickelt und wirft grundsätzliche Fragen nach den Grenzen politischer Einflussnahme auf akademische Einrichtungen auf. Das Ergebnis könnte präzedenzwirksam dafür werden, wie Deutschland in kulturellen und bildungspolitischen Räumen den Spagat zwischen freier Meinungsäußerung und öffentlichem Druck meistert.






