Energiewende auf dem Prüfstand: Bundesregierung lockert Effizienzregeln für Großverbraucher
Lukas WolfEnergiewende auf dem Prüfstand: Bundesregierung lockert Effizienzregeln für Großverbraucher
Die deutsche Bundesregierung hat Lockerungen des Energieeffizienzgesetzes beschlossen. Die Änderungen mildern die Vorgaben für Unternehmen, insbesondere für solche mit hohem Energieverbrauch. Kritiker und Befürworter haben bereits deutliche Positionen zu der Entscheidung bezogen.
Ursprünglich sah das Gesetz vor, dass Behörden und Unternehmen ihren Energieverbrauch senken und Verschwendung reduzieren müssen. Betreiber von Rechenzentren standen dabei besonders im Fokus, da sie enorme Mengen an Strom verbrauchen und ungenutzte Abwärme erzeugen.
Nach den neuen Regelungen müssen nun nur noch Unternehmen mit einem Jahresverbrauch von mindestens 23,6 Gigawattstunden ein Energiemanagement- oder Umweltmanagementsystem einführen. Das Pharmaunternehmen Medice Health Family gab an, 2024 genau 23,5 Gigawattstunden verbraucht zu haben – und liegt damit knapp unter der Grenze.
Rechenzentrumsbetreiber erhalten nun vier statt zwei Jahre Zeit, um die Effizienzziele zu erreichen. Zudem haben sie bis 2030 Zeit, ihren Strombedarf vollständig durch erneuerbare Energien auszugleichen. Die Pflicht zur Nutzung von Abwärme entfällt, es sei denn, es existiert ein lokales Fernwärmenetz.
Die Reaktionen auf die Änderungen fallen unterschiedlich aus. Peter Adrian vom Deutschen Industrie- und Handelskammertag (DIHK) bezeichnete die Reformen als „deutliche Entlastung“ für die Wirtschaft. Kilian Vieth-Ditlmann von AlgorithmWatch kritisierte den Schritt als „Kapitulation vor den Tech-Konzernen“ und warnte vor höheren Umwelt- und Wirtschaftskosten. Katharina Reuter vom Bundesverband Nachhaltige Wirtschaft monierte, die Regierung habe es versäumt, Klimaschutz und wirtschaftliche Interessen in Einklang zu bringen.
