Bergisch Gladbach kämpft gegen Deindustrialisierung und drohende Pleite bis 2027
Moritz RichterBergisch Gladbach kämpft gegen Deindustrialisierung und drohende Pleite bis 2027
Bergisch Gladbach steht vor schweren finanziellen Belastungen und massivem Arbeitsplatzabbau, da der industrielle Niedergang an Fahrt aufnimmt. Seit 2021 sind mindestens 540 Stellen gestrichen worden – eine direkte Folge steigender Energiekosten, verschärfter CO₂-Vorgaben und strengerer Baugesetze. Die Stadt rechnet für den Haushalt 2026 mit einem Defizit von 50 Millionen Euro; Beamte warnen gar vor einer drohenden Insolvenz ab 2027.
Die Krise spitzte sich Anfang 2025 dramatisch zu, als die traditionsreiche Zanders-Papierfabrik, die fast 200 Jahre lang ein lokaler Wirtschaftspfeiler war, unter einer Nachforderung von 7 Millionen Euro für CO₂-Zertifikate zusammenbrach. Die Schließung kostete 380 Arbeitsplätze und stürzte Mitarbeiter wie Gemeinde in eine tiefe Krise. Noch im selben Jahr hatten bereits 38 Prozent der Industrieunternehmen im Kreis Entlassungen angekündigt.
Auch Isover, ein weiterer großer Arbeitgeber der Region, stellte kurz darauf die Produktion ein – 160 weitere Jobs gingen verloren. Als Hauptgrund nannte das Unternehmen das Gebäudeenergiegesetz (GEG). Die Verluste sind das Ergebnis jahrelang steigender Energiepreise und wachsender regulatorischer Lasten, die viele Betriebe an den Rand des Ruins trieben.
Die finanzielle Schieflage der Stadt verschärfte sich weiter, als der Haushaltsentwurf für 2026 ein fast 50 Millionen Euro großes Loch offenlegte. Die Hebesätze in Bergisch Gladbach liegen bereits über dem Durchschnitt Nordrhein-Westfalens, doch weitere Erhöhungen werden nun diskutiert. Trotz früherer Investitionen in den Klimaschutz spüren die Bürger kaum Entlastung bei der Hochwassergefahr – die Prioritäten des Haushalts stehen infrage.
Als Reaktion legte die AfD-Fraktion einen Zehn-Punkte-Plan vor, um die finanzielle Belastung ohne Steuererhöhungen zu verringern. Die Maßnahmen umfassen den Abbau von Stellen im Klimaschutzmanagement und der kommunalen Wärmeplanung, Kürzungen in Personalabteilung und Buchhaltung sowie den Ausbau der Kinderbetreuung. AfD-Abgeordneter Florian Fornoff präsentierte die Vorschläge während einer Debatte zum Haushalt 2026. Unterdessen warnte Dr. Uwe Vetterlein, Hauptgeschäftsführer der Industrie- und Handelskammer (IHK), im Februar 2026 vor einer unaufhaltsamen Deindustrialisierung der Region.
Nun steht Bergisch Gladbach vor schwierigen Entscheidungen im Kampf um einen ausgeglichenen Haushalt. Während Industriejobs verschwinden und die Steuerlast wächst, muss die Stadt einen Weg aus der eskalierenden Finanzkrise finden. Die Folgen der geplanten Sparmaßnahmen und alternativer Konzepte werden die wirtschaftliche Zukunft der Stadt in den kommenden Jahren prägen.






