Atommüll-Transporte starten: Warum Deutschlands radioaktives Erbe zum Problem wird
Jakob MaierAtommüll-Transporte starten: Warum Deutschlands radioaktives Erbe zum Problem wird
Deutschland kehrt zu seinen Atomplänen zurück – doch das Müllproblem bleibt ungelöst
Das Land steht vor einer dringenden Herausforderung: die Verlegung von 40 Jahre altem radioaktivem Material vom Forschungszentrum Jülich nach Ahaus. Die ersten Transporte sollen bereits nächste Woche beginnen und entfachen damit erneut die Debatte über Lagerung und Sicherheit.
Der Atommüll stammt aus einem Versuchsreaktor des Forschungszentrums Jülich, der 1988 abgeschaltet wurde. Seitdem lagern 152 Castor-Behälter vor Ort – in einer Anlage, die seit 2013 ohne gültige Genehmigung betrieben wird. Rechtliche Auseinandersetzungen und politische Streitigkeiten ziehen sich seit über einem Jahrzehnt hin, ohne dass eine dauerhafte Lösung in Sicht ist.
Das Forschungszentrum, das sich heute auf Quantencomputing konzentriert, wehrt sich dagegen, den Müll länger zu behalten. Daher soll das Material in mehr als 50 Einzeltransporten nach Ahaus gebracht werden – obwohl auch dort die Genehmigung 2036 ausläuft. Der Widerstand vor Ort, darunter die Stadt Ahaus und Anti-Atomkraft-Gruppen, konnte die Verlegung nicht stoppen.
Deutschlands erneutes Interesse an Kernenergie steht im Kontrast zu den ungelösten Problemen mit dem Atommüll. Weltweit sind derzeit nur vier kleine modulare Reaktoren (SMR) in Betrieb – zwei in Russland, einer in China und einer in Japan –, acht weitere befinden sich im Bau. Viele Länder, von den USA bis Indien, planen ähnliche Projekte, doch eine langfristige Lagerlösung fehlt weiterhin.
Die Transporte werden bald beginnen und verlagern das Problem vorerst von Jülich nach Ahaus. Doch ohne Endlager und mit auslaufenden Zwischenlager-Genehmigungen bleibt die Frage unbeantwortet. Die Renaissance der Atomkraft in Deutschland scheitert einmal mehr an der alten Frage: Wohin mit dem Müll?






