Rheinwasser soll Braunkohletagebaue in künstliche Seen verwandeln – doch Kritiker warnen vor Risiken
Jakob MaierRheinwasser soll Braunkohletagebaue in künstliche Seen verwandeln – doch Kritiker warnen vor Risiken
In Elsdorf, unweit des Tagebaus Hambach, sind die Bauarbeiten für ein großes Wasserleitungsprojekt gestartet. Das 45 Kilometer lange Pipelinesystem soll Rheinwasser in die rheinische Braunkohleregion leiten, um dort neue Seen zu schaffen. Nach Angaben der Verantwortlichen soll das Vorhaben helfen, Feuchtgebiete wiederherzustellen und den Wasserhaushalt der Region ins Gleichgewicht zu bringen.
Kritiker hingegen hinterfragen die ökologischen Risiken, die mit der Nutzung von Rheinwasser verbunden sind, das Tausende chemischer Verbindungen mit unbekannten Auswirkungen enthält.
Die Leitung, bestehend aus 10.000 Rohren mit einem Durchmesser von bis zu 2,2 Metern, wird Wasser aus dem Rhein in die ehemaligen Braunkohletagebaue leiten. Der Baubeginn folgt auf die Erteilung der Hauptgenehmigung durch die Bezirksregierung Arnsberg im Januar 2026. Zwar liegen bereits wasserrechtliche Zulassungen vor, doch die Erlaubnis zur Einleitung in den Tagebau Hambach steht noch aus – das Genehmigungsverfahren soll im Herbst dieses Jahres beginnen.
Die Flutung des Tagebaus Hambach soll 2030 starten, gefolgt von Garzweiler und Inden im Jahr 2036. Allein das Befüllen der Seen wird 40 Jahre dauern, und auch danach wird über Jahrzehnte weiterhin Rheinwasser zugeführt werden müssen. Der hinter dem Projekt stehende Braunkohlekonzern RWE bezeichnet es als Schritt in Richtung einer zuverlässigen und nachhaltigen Zukunft.
Umweltverbände wie der BUND und Alle Dörfer bleiben äußern jedoch Bedenken hinsichtlich einer möglichen Wasserverschmutzung. Sie argumentieren, dass die chemische Mischung des Rheins – mit bis zu 30.000 verschiedenen Stoffen – die neu entstehenden Ökosysteme schädigen könnte. Der lokale Aktivist Andreas Büttgen von Bürirer für Bürir warnt, die Umwandlung der Tagebaue in Seen sei ein unternehmerischer Schachzug von RWE, der der Region langfristige finanzielle Lasten aufbürde. Nach Einschätzung von Kritikern könnten sich die Grundwasserstände in der Region erst bis zum Jahr 2200 stabilisieren.
Das Projekt wird die rheinische Braunkohleregion über Jahrzehnte umgestalten und aus Tagebauen Seen entstehen lassen. Während RWE die wirtschaftlichen und ökologischen Vorteile betont, verweisen Umweltaktivisten und Anwohner auf die Risiken von Wasserverschmutzung und langfristigen Kosten. Die erste Flutungsphase soll 2030 beginnen – vorausgesetzt, die notwendigen Genehmigungen liegen bis dahin vor.






