Willichs umstrittenes Großprojekt Moltkedorf: 1.200 Wohnungen gegen Bürgerproteste und Öko-Bedenken
Lukas WolfWillichs umstrittenes Großprojekt Moltkedorf: 1.200 Wohnungen gegen Bürgerproteste und Öko-Bedenken
Willich treibt ein großes Wohnbauprojekt voran, um den dringenden Bedarf an Wohnraum zu decken. Das geplante Viertel Moltkedorf entsteht auf einem 2,9 Hektar großen Gelände und soll rund 1.200 neue Wohnungen umfassen. Doch Anwohner erheben massive Vorbehalte gegen Umfang, Gestaltung und ökologische Folgen der Pläne.
Ursprünglich war für das Moltkedorf ein Ensemble mit 200 Wohneinheiten in einer begrünten Hofanlage vorgesehen. Die aktuelle Planung sieht nun jedoch etwa 1.200 Wohnungen vor – davon nur 150 Einfamilienhäuser, was etwa 15 Prozent des Gesamtbestands entspricht. Im Dezember 2023 empfahl der städtische Planungsausschuss, die Zahl der Einfamilienhäuser auf 180 zu begrenzen, um eine Mischung aus Reihenhäusern, Doppelhäusern und Mehrfamilienwohnungen zu gewährleisten.
Der Zugang zum Gelände erfolgt über die Moltkestraße und ein einseitig geführtes Ringsystem, das alle Wohnbereiche erschließt. Für Parkplätze sind Flächen im Freien, Garagen und möglicherweise eine Tiefgarage vorgesehen. Zudem sollen Fuß- und Radwege die Kruse-Straße mit An Liffersmühle verbinden.
Kritik kommt vor allem von Anwohnern, die die Dimensionen und die architektonische Ausrichtung des Projekts bemängeln. Viergeschossige Gebäude sollen direkt an Kleingärten grenzen und mit einer "Wohnblock-Mauer" die Sicht versperren, wie es einige formulieren. Über 70 Bürger haben eine Petition gegen die Pläne unterzeichnet – mit Verweis auf befürchtete Verkehrsprobleme, Parkplatzmangel und erschwerten Zugang für Rettungsfahrzeuge. Viele fragen sich zudem, wie der Rückbau von Grünflächen die Kosten senken soll, wo doch solche Areas für Regenwassermanagement, Artenvielfalt und Luftqualität essenziell sind.
Ökologische Bedenken verstärken den Widerstand weiter. Lokale Initiativen fordern, den Grünstreifen entlang der Moltkestraße 31–35 als unberührten Lebensraum für Tiere und natürliche Barriere zu erhalten. Parallel dazu plant die Stadt, die bestehende Flüchtlingsunterkunft im Moltkedorf bis Jahresende zu schließen, sobald die Neubebauung voranschreitet.
Ziel des Projekts ist es, den Wohnraummangel in Willich durch eine vielfältige Wohnungsmischung und bessere Verkehrsanbindungen zu lindern. Doch die Skepsis der Bürger bleibt – etwa wegen der hohen Bebauungsdichte, der zusätzlichen Verkehrsbelastung und des Verlusts an Grünflächen. Nun steht die Stadt vor der Herausforderung, Entwicklungsziele und Bürgerinteressen in Einklang zu bringen, bevor die Bagger anrollen.






