Wie Misstrauen gegen Demokratie die AfD zur Rekordstärke führt
Der Aufstieg des rechtspopulistischen Lager in Deutschland wird laut dem Soziologen Aladin El-Mafaalani durch ein wachsendes Misstrauen gegenüber der Demokratie befeuert. In seinem neuesten Buch "Gemeinschaften des Misstrauens" untersucht er, wie Skepsis gegenüber staatlichen Institutionen, Gerichten, Wissenschaft und Medien die politische Landschaft verändert hat. Diese Entwicklungen haben Parteien wie der "Alternative für Deutschland" (AfD) Auftrieb gegeben, indem sie sich als antiestablishment-Kraft positionieren.
Die 2013 als euroskeptische Partei gegründete AfD konzentrierte sich anfangs auf wirtschaftliche Themen wie die Eurokrise. Im Laufe der Zeit verlagerte sie ihren Fokus jedoch auf migrationsfeindliche Politik, Nationalismus sowie Angriffe auf staatliche Institutionen und Medien. Durch die Inszenierung als Außenseiter, der das System herausfordert, profitierte die Partei von der öffentlichen Verunsicherung.
Diese Strategie trug Früchte. Bei der Bundestagswahl 2025 verdoppelte die AfD ihr Ergebnis von 2021 – mit Alice Weidel als Kanzlerkandidatin. Die Partei mobilisierte Wähler, indem sie die Regierungspolitik in den Bereichen Inflation, Energiepreise und Staatsverschuldung scharf kritisierte.
El-Mafaalani argumentiert, dass misstrauische Menschen sich zunehmend mit Gleichgesinnten verbünden, die ihre Skepsis teilen. Digitale Medien haben es diesen "Gemeinschaften des Misstrauens" erleichtert, sich zu vernetzen und zu organisieren. Sind solche Gruppen erst einmal entstanden, ist es unwahrscheinlich, dass sie ihr Vertrauen in die Demokratie zurückgewinnen – selbst wenn populistische Parteien ihre Versprechen nicht einhalten.
Die Analysen des Soziologen werfen auch ein Licht auf ähnliche Entwicklungen im Ausland, etwa den Aufstieg von Figuren wie Donald Trump. El-Mafaalani kommt zu dem Schluss, dass bloße Enthüllungen über die Inkompetenz von Populisten deren Unterstützung nicht schwächen werden. Stattdessen plädiert er für wirksamere Strategien im Umgang mit dem Rechtspopulismus.
Das Wachstum der AfD spiegelt tiefgreifende Verschiebungen im öffentlichen Vertrauen wider: Immer mehr Wähler unterstützen Parteien, die die liberale Demokratie ablehnen. El-Mafaalannis Erkenntnisse unterstreichen die Herausforderungen, vor denen diejenigen stehen, die das Vertrauen in die Institutionen wiederherstellen wollen. Ohne gezielte Gegenmaßnahmen dürften diese "Gemeinschaften des Misstrauens" eine prägende Kraft in der Politik bleiben.






