03 March 2026, 13:46

Warum viele Kinder in Deutschland auf riskante Off-Label-Medikamente angewiesen sind

Ein Plakat mit Text über Arzneimittelpreisunterschiede im Jahr 2022, mit ein paar Flaschen und einer Spritze unten.

Warum viele Kinder in Deutschland auf riskante Off-Label-Medikamente angewiesen sind

Kinder und Jugendliche in Deutschland haben oft Schwierigkeiten, Zugang zu Arzneimitteln zu bekommen, die auf ihre Bedürfnisse zugeschnitten sind. Viele Behandlungen werden off-label verordnet – das bedeutet, sie sind nicht offiziell für die Anwendung bei Kindern zugelassen. Diese Lücke entsteht durch Herausforderungen in der Arzneimittelentwicklung und strenge Sicherheitsvorschriften.

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Zwischen 60 und 90 Prozent der Medikamente, die Kindern in der spezialisierten Versorgung verabreicht werden, kommen off-label zum Einsatz. Diese Praxis kann mitunter schwere Nebenwirkungen auslösen und junge Patientinnen und Patienten gefährden. Der Mangel an kindgerechten Arzneimitteln hat mehrere Ursachen: geringe Patientenzahlen, Schwierigkeiten bei der Rekrutierung von Studienteilnehmern und Probleme bei der Einholung von Einwilligungen.

Rechtliche Möglichkeiten, die Situation zu verbessern, gibt es bereits – etwa durch die Aufnahme von Medikamenten in Anlage VI der deutschen Arzneimittelrichtlinie. Dennoch bleiben hohe regulatorische Standards unverzichtbar, um die Gesundheit von Kindern zu schützen. Diese Hürden verzögern zwar Zulassungen, stellen aber sicher, dass nur gründlich geprüfte Wirkstoffe zu jungen Patientinnen und Patienten gelangen.

Auf europäischer Ebene werden derzeit ähnliche Rahmenbedingungen für die Bewertung von Off-Label-Medikamenten diskutiert. Solche Maßnahmen könnten dazu beitragen, die Prüfung und Anwendung nicht zugelassener Arzneimittel in den Mitgliedstaaten zu vereinheitlichen.

Das aktuelle System lässt viele Kinder in Deutschland ohne zuverlässigen Zugang zu zugelassenen Therapien zurück. Zwar sind regulatorische Schutzmechanismen unerlässlich, doch die hohe Rate an Off-Label-Verordnungen zeigt weiterhin bestehende Defizite in der Entwicklung kindgerechter Arzneimittel auf. Bemühungen, Zulassungsverfahren zu beschleunigen und Sicherheitsbewertungen zu optimieren, könnten diese Herausforderungen in Zukunft entschärfen.