Von Durchgestrichen zu Gleichheit - Solinger Pastoren teilen ihre Geschichten
Lukas WolfVon Durchgestrichen zu Gleichheit - Solinger Pastoren teilen ihre Geschichten
Von Durchstreichung zur Gleichberechtigung – Solinger Pfarrerinnen erzählen ihre Geschichten
50 Jahre Gleichstellung in der Gemeinde – Wie Frauen auf die Kanzel stiegenSolingen – Genau die Hälfte der 26 Pfarrer:innen im Kirchenkreis Solingen sind heute Frauen. Was heute selbstverständlich wirkt, ist das Ergebnis eines langen kirchlichen und gesellschaftlichen Lernprozesses. Denn die rechtliche Gleichstellung von Frauen und Männern im Pfarramt erreichte die Evangelische Kirche erst vor relativ kurzer Zeit.
Die Evangelische Kirche in Solingen hat einen Meilenstein erreicht: Die Hälfte ihrer 26 Pfarrer:innen sind Frauen. Dieser Wandel spiegelt Jahrzehnte des Umbruchs wider, seit Frauen erstmals das Recht auf gleiche pastorale Ämter erhielten. Doch der Weg von der Ausgrenzung zur gleichberechtigten Vertretung war lang und von Rückschlägen geprägt.
Noch vor 1975 durften Frauen in der Evangelischen Kirche im Rheinland nur eingeschränkt seelsorgerisch tätig sein. Viele sprangen während des Zweiten Weltkriegs ein, wurden aber nach Rückkehr der Männer wieder an den Rand gedrängt. Erst 1975 errangen sie die volle rechtliche Gleichstellung – und damit das Recht, auf Augenhöhe zu dienen.
Gisela Vogel wurde bereits 1967 Pfarrerin, lange vor der offiziellen Gleichberechtigung. Sie erinnert sich, wie man sie mit „Frau Vogel“ ansprach – statt mit „Bruder Vogel“, einem Titel, der ihren männlichen Kollegen vorbehalten blieb. Im Laufe ihrer Karriere wirkte sie in mehreren Gemeinden, stieg zur Oberkirchenrätin auf und gehörte schließlich der Kirchenleitung an. Jahrzehnte später stieß auch Dr. Ilka Werner, heute Superintendentin des Solinger Kirchenkreises, noch auf Vorbehalte gegen Frauen in Führungspositionen. Sie begann 2006 ihr Theologiestudium, zu einer Zeit, als Gleichberechtigung zwar akzeptierter, aber noch nicht überall selbstverständlich war. Raphalea Demski-Galla, die im selben Jahr ihr Studium aufnahm, erlebte, wie schwer es nach wie vor war, Familie und Pfarramt unter einen Hut zu bringen.
Heute schätzt die Kirche die vielfältigen Perspektiven, die Frauen einbringen. Ihre Präsenz hat die Gemeinschaftsarbeit bereichert und das Spektrum der Seelsorge erweitert.
Im Solinger Kirchenkreis sind nun 13 der 26 Pfarrstellen mit Frauen besetzt. Ein Fortschritt seit den 1970er-Jahren, als Frauen erstmals das Recht auf gleiche Dienstbedingungen durchsetzten. Doch die Erfahrungen von Pfarrerinnen wie Vogel, Werner und Demski-Galla zeigen: Selbst wenn rechtliche Hürden fallen, wirken tief verwurzelte Einstellungen oft noch lange nach.
