03 April 2026, 20:10

Thomas Frauendienst: Ein Leben zwischen Missbrauch und systematischer Gewalt in NRW-Heimen

Ein historisches Dokument zeigt eine Gerichtsverhandlung mit Porträts, Vorhängen und geschriebenem Text.

Thomas Frauendienst: Ein Leben zwischen Missbrauch und systematischer Gewalt in NRW-Heimen

Thomas Frauendienst wurde am 23. März 1964 mit angeborenen spastischen Klumpfüßen geboren. Nur wenige Stunden nach seiner Geburt brachte man ihn ins Johanna-Helene-Heim in Volmarstein – eine Entscheidung, die den Beginn jahrelangen Missbrauchs markierte. Sein Fall wurde später Teil einer umfassenderen Untersuchung zu systematischen Misshandlungen in Pflegeeinrichtungen Nordrhein-Westfalens.

Noch in der Nacht seiner Geburt wurde Frauendienst unter der Nummer 2033 in ein Register mit dem Titel Kinder in Sonderbehandlung eingetragen. Die Aufzeichnungen des Chefarztes deuteten darauf hin, dass er gezielt für besonders harte Behandlung ausgewählt worden war. Im Laufe der Jahre unterzog man ihn über 80 Operationen und verabreichte ihm unzählige Medikamente, viele davon angeblich missbräuchlich.

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Mitarbeiter der Einrichtung fesselten ihn an sein Bett und zwangen ihn, sich zu übergeben, sodass er fast verhungerte. 1968 griff schließlich eine Diakonisse ein, indem sie die Notbremse eines Zuges zog und drohte, die Missstände öffentlich zu machen. Durch diesen Druck kam Frauendienst zurück in die Obhut seiner Familie – allerdings nur, nachdem eine Freundin namens Ingrid zugesagt hatte, die stetig wachsenden Behandlungskosten zu übernehmen.

Doch der Missbrauch endete damit nicht. Während er auf einer Trage lag, wurde er von einem seiner Peiniger mehrfach vergewaltigt. Jahrzehnte später zeigte eine Studie, dass etwa 20 Prozent der Jugendlichen in nordrhein-westfälischen Einrichtungen ähnliche missbräuchliche Medikamentenpraktiken erleiden mussten. Frauendienst erhielt schließlich von der Diakonie Rheinland/Westfalen-Lippe eine Entschädigung von 5.000 Euro für die erlittene sexuelle Gewalt.

Bisher sind keine weiteren Details über zusätzliche Einrichtungen in der Region oder Maßnahmen zur Aufarbeitung dieser Fälle bekannt geworden.

Frauendiensts Leidensweg umfasste Jahre medizinischer und körperlicher Misshandlung in einem System, das eigentlich zum Schutz verletzlicher Kinder gedacht war. Die Entschädigung erhielt er erst lange nach den erlittenen Schäden, während umfassendere Untersuchungen zu institutionellem Missbrauch in Nordrhein-Westfalen weiterhin unvollständig bleiben. Der Fall verdeutlicht die langfristigen Folgen unkontrollierter Macht in Pflegeeinrichtungen jener Zeit.

Quelle