Streit um Arbeitszeiterfassung: NRW-Lehrkräfte zwischen Pflicht und Überlastung
Lukas WolfStreit um Arbeitszeiterfassung: NRW-Lehrkräfte zwischen Pflicht und Überlastung
In Nordrhein-Westfalen ist ein Streit über Pläne zur Arbeitszeiterfassung von Lehrkräften entbrannt. Bildungsministerin Dorothee Feller (CDU) bezeichnete die Angelegenheit als komplex, aber rechtlich notwendig, während die Gewerkschaft Erziehung und Wissenschaft (GEW) warnt, dass eine solche Maßnahme die systematische Überlastung der Lehrkräfte offenlegen würde. Die GEW lehnt vehement den Vorwurf ab, eine Zeiterfassung könnte Lehrerinnen und Lehrer zwingen, länger vor Ort zu bleiben – selbst in den Ferien.
In einem Interview mit der Rheinischen Post vom 20. Januar 2026 räumte Feller ein, dass die Arbeitszeiterfassung zwar gesetzlich vorgeschrieben sei, aber selten umgesetzt werde. Gleichzeitig warnte sie, dass dies zu strengeren Präsenzregeln führen könnte, etwa zur verpflichtenden Anwesenheit in Schulen während der Pausen. Die GEW NRW wies diesen Vorschlag umgehend als unrealistisch und ungerecht zurück.
Die Gewerkschaft betont, dass die Erfassung der Arbeitszeit kein "Privileg" sei, sondern ein gesetzlich verankertes Recht. Studien belegten, sie argumentiert, dass vollzeitbeschäftigte Lehrkräfte bereits jetzt erhebliche unbezahlte Arbeitszeit leisteten. Eine genaue Dokumentation würde zeigen, wie stark das Bildungssystem von unentgeltlicher Mehrarbeit abhängt. Die GEW NRW fordert zudem Flexibilität bei der Zeiterfassung und setzt sich für eine ortsunabhängige Registrierung ein, statt Lehrkräfte in Schulgebäuden festzuhalten. Sie verlangt eine offene Debatte über Arbeitsbelastung, bessere Ausstattung und konkrete Entlastungsmaßnahmen. Die Gewerkschaft ist überzeugt, dass eine korrekte Erfassung die Politik zum Handeln zwingen würde – etwa bei der chronischen Unterbesetzung und den unhaltbaren Anforderungen. Fellers Andeutung, die Zeiterfassung könnte die Arbeitszeit ausdehnen – selbst in die Ferien hinein –, stieß auf scharfe Kritik. Die GEW hält einen solchen Schritt für kontraproduktiv, da er den Stress erhöhen statt die Überlastung zu verringern würde.
Die Diskussion offenbart tiefe Gräben bei der Frage, wie mit der Arbeitsbelastung von Lehrkräften in Nordrhein-Westfalen umgegangen werden soll. Sollte die Arbeitszeiterfassung eingeführt werden, könnte sie eine Auseinandersetzung mit unbezahlten Arbeitszeit und Personalmangel erzwingen. Die Haltung der Gewerkschaft macht deutlich: Jede Lösung muss Flexibilität und echte Unterstützung in den Vordergrund stellen – und nicht nur strengere Kontrollen.
