Preissturz bei Schweinefleisch löst Massenentlassungen und Werksschließungen aus
Jakob MaierPreissturz bei Schweinefleisch löst Massenentlassungen und Werksschließungen aus
Ein drastischer Preisverfall bei Fleisch hat in Deutschlands Lebensmittelbranche eine Welle von Betriebsschließungen und Arbeitsplatzverlusten ausgelöst. Supermarktketten wie Aldi Süd und Norma senken die Preise für Schweinefleisch massiv, während große Hersteller Werksstilllegungen ankündigen. Der Preiskampf trifft nun sowohl Landwirte als auch Beschäftigte mit voller Wucht.
Den Anfang machten die Butterpreise, die mittlerweile unter einem Euro pro 250 Gramm liegen. Doch die größten Auswirkungen zeigt der Markt für Schweinefleisch: Hier sind die Preise innerhalb einer einzigen Woche um 10 Prozent eingebrochen. Die Erzeugergemeinschaft für Vieh und Fleisch (VEZG) hat ihren Richtpreis kürzlich auf 1,45 Euro pro Kilogramm gesenkt. Bei Aldi Süd kostet eine 800-Gramm-Packung Hackfleisch vom Schwein nun 3,79 Euro, andere Discounter wie Norma ziehen mit ähnlichen Rabatten nach. Auch Produkte wie Gyros, Schnitzel, Koteletts und Gulasch sind deutlich günstiger geworden.
Die Folgen sind bereits jetzt spürbar: Der Wurstwarenhersteller EWN Wurstspezialitäten GmbH & Co. KG wird sein Werk in Britz schließen – 500 Arbeitsplätze fallen weg. Gleichzeitig kündigte der Fleischverarbeiter Vion an, sein Rinderschlacht- und Zerlegewerk in Hilden bis zum 28. Februar 2026 zu schließen, was rund 160 Mitarbeiter betrifft. Das Unternehmen begründete den Schritt mit strukturellen Veränderungen auf dem Fleischmarkt und bezeichnete weitere Konsolidierungen als unvermeidbar. Auch die Landwirte geraten zunehmend unter Druck. Der Westfälisch-Lippische Landwirtschaftsverband (WLV) warnt, dass der Preisdruck den Rückgang der Schweinehaltung beschleunigen werde. Die Supermärkte senken weiterhin die Preise für Hackfleisch und Wurstwaren – für die Produzenten wird die Lage immer schwieriger.
Doch der Preiskampf zeigt keine Anzeichen einer Entspannung: In den kommenden Wochen sind weitere Preissenkungen zu erwarten. Fabriken werden geschlossen, Arbeitsplätze abgebaut, und die Landwirte sehen sich wachsendem finanziellen Druck ausgesetzt. Wie sich der anhaltende Wettbewerb langfristig auf die deutsche Fleischindustrie auswirken wird, bleibt ungewiss.
