PEM-Studie analysiert die Kritikalität von E-Motor-Materialien
PEM-Studie analysiert Kritikalität von Materialien für E-Motoren
Teaser: Eine Studie der RWTH Aachen untersucht die wichtigsten Rohstoffe für die Produktion von Elektromotoren – mit Fokus auf deren individuelle Versorgungsrisiken.
22. Dezember 2025, 10:11 Uhr
Europas Vorstoß in Richtung Elektromobilität steht vor einem zentralen Hindernis: die Abhängigkeit von asiatischen Lieferketten für kritische Rohstoffe. Eine aktuelle Studie der RWTH Aachen zeigt die Risiken auf, die mit Seltenen Erden, Kupfer und anderen Schlüsselressourcen verbunden sind. Ohne Kurskorrektur könnte der grüne Wandel des Kontinents durch Engpässe und hohe Kosten ins Stocken geraten.
Die PEM-Studie bewertet Materialien, die für die Herstellung von Elektromotoren unverzichtbar sind – darunter Seltene Erden, Kupfer, Elektroblech, Aluminium und Halbleitermaterialien. Europa ist derzeit stark von China abhängig, insbesondere bei Seltenerdmetallen, da deren Gewinnung technisch aufwendig und die heimische Produktion unwirtschaftlich ist.
Um diese Abhängigkeit zu verringern, hat die EU den Critical Raw Materials Act (CRMA) auf den Weg gebracht, der 47 Projekte in den Mitgliedstaaten koordiniert. Ziel ist die Sicherung von 34 kritischen Rohstoffen; ab Anfang 2026 gelten neue Exportbeschränkungen für Schrott aus Seltenerd-Magneten. Auch die Privatwirtschaft handelt: Metlen wird ab 2027 jährlich bis zu 50 Tonnen Gallium produzieren und dafür 300 Millionen Euro investieren. Remloy, eine Tochter des Heraeus-Konzerns, betreibt in Bitterfeld bereits Europas größte Recyclinganlage für Neodym-Eisen-Bor-Magnete. Vulcan Energy baut im Frankfurter Industriepark Höchst eine zentrale Lithium-Anlage auf, um europäische Batterie- und Automobilhersteller zu beliefern.
Obwohl die Kupferreserven ausreichen, betont die Studie die Notwendigkeit effizienterer Recyclingverfahren, um die Qualität des wiederverwendeten Materials zu erhalten. Deutsche und europäische Entwickler arbeiten zudem an alternativen Materialien und Konstruktionen, um den Bedarf an knappen Rohstoffen zu senken. Doch der Umbau der Lieferketten könnte 10 bis 15 Jahre dauern – eine Frist, die Europas Elektrifizierungsziele verzögern könnte.
Bei Halbleitern liegt der europäische Produktionsanteil bei nur 10 Prozent des weltweiten Marktes, etwa ein Jahrzehnt hinter der Konkurrenz. Der CRMA und private Investitionen sollen diese Lücke schließen, doch der Erfolg hängt davon ab, technische und finanzielle Hürden zu überwinden. Ohne beschleunigte Maßnahmen bleibt der Kontinent anfällig für Lieferkettenstörungen – und damit auch für Rückschläge bei der Verkehrswende.
