28 February 2026, 20:06

"Opferpopp 2.0": Vergessene DDR-Schicksale werden im Thalia Theater lebendig

Das Innere eines Theaters mit dunklem Hintergrund, beleuchtet von Lampen links und rechts, mit einer kunstvoll gestalteten Decke.

"Opferpopp 2.0": Vergessene DDR-Schicksale werden im Thalia Theater lebendig

"Opferpopp 2.0 – Ein Requiem": Eine immersive Theaterinstallation feiert Premiere im Thalia Theater Halle

Am 5. März 2026 hat im nt-Schaufenster des Thalia Theaters Halle die immersive Theaterinstallation Opferpopp 2.0 – Ein Requiem Premiere. Die Produktion verwandelt den Veranstaltungsort in das Klubhaus Kluth – einen Raum, der Ausstellung, Club und Performance vereint. Das Publikum ist eingeladen, die Installation frei zu erkunden und so sein eigenes Erlebnis in einer Welt aus Erinnerung und Reflexion zu gestalten.

Das Projekt ist Teil der Reihe ERINNERN IST HEIMAT, die sich mit der Geschichte Halles, ihren ungelösten Fragen und den hinterlassenen Narben auseinandersetzt. Der neueste Teil widmet sich vergessenen Lebensgeschichten – insbesondere denen der jungen Schauspieler:innen des ursprünglichen DDR-Stücks Opferpopp von Heiner Müller aus dem Jahr 1981.

Die Produktion von 2026 knüpft an die Adaption von Opferpopp aus dem Jahr 2007 an, in der junge Laiendarsteller:innen ihre persönlichen Erfahrungen mit Gewalt und Vernachlässigung teilten. Regisseur Mirko Borscht und der Videokünstler Hannes Hesse verfolgen nun die Spuren der damaligen Protagonist:innen und stellen die Frage: Was wurde aus ihnen? Ihre Recherche bildet das Herzstück von Opferpopp 2.0, einem Werk, das als Denkmal für getilgte Biografien beschrieben wird. Thematisch bewegt sich die Installation zwischen Verlust, Konfrontation und schroffen Gegensätzen.

Die Installation besetzt das nt-Schaufenster, das als Klubhaus Kluth neu interpretiert wird – eine Hommage an Alexander Kluth, ein Ensemblemitglied der Produktion von 2007, der inzwischen verstorben ist. Der Raum lädt Besucher:innen ab 14 Jahren ein, sich auf individuelle Weise mit den Inhalten auseinanderzusetzen. Ob durch Mitwirkung, Beobachtung oder Reflexion: Das Erlebnis ist sowohl persönlich als auch gemeinschaftlich angelegt. Im Klubhaus Kluth reichen die Aktivitäten von Performances bis zu informellen Zusammenkünften, stets zentriert um Themen wie Erinnerung, Feier, Schmerz und Hoffnung.

Öffentliche Aufzeichnungen über das weitere Leben der jungen Schauspieler:innen der Opferpopp-Produktion von 1981 existieren nicht. Details zu ihren Karrieren, gesellschaftlichen Rollen oder persönlichen Wegen bleiben 2026 privat oder undokumentiert. Diese Leerstellen unterstreichen den Fokus der Installation auf vergessene Erzählungen und die Lücken im kollektiven Gedächtnis.

Opferpopp 2.0 – Ein Requiem ist vom 5. bis 22. März 2026 zu erleben. Die Reihe ERINNERN IST HEIMAT, zu der das Projekt gehört, setzt sich weiterhin mit dem kulturellen und sozialen Gefüge Halles auseinander – mit seinen Verpflichtungen und unheilbaren Wunden.

Die Installation bietet einen Ort, an dem sich Besucher:innen mit Themen wie Auslöschung und Widerstandsfähigkeit konfrontieren können. Indem sie Alexander Kluth und den namentlich unbekannten Schauspieler:innen früherer Produktionen gedenkt, schlägt das Projekt eine Brücke über Jahrzehnte unerzählter Geschichten. Die Initiative des Thalia Theaters Halle lädt dabei sowohl zur Reflexion als auch zum Handeln ein und sorgt dafür, dass diese Narrative – einst übersehen – im Hier und Jetzt ihren Platz finden.

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