NRW setzt auf verpflichtende ABC-Kurse – doch Schulen stoßen an ihre Grenzen
Moritz RichterNRW setzt auf verpflichtende ABC-Kurse – doch Schulen stoßen an ihre Grenzen
Nordrhein-Westfalen führt verpflichtende "ABC-Kurse" für Kinder mit Sprachdefiziten ein
Nordrhein-Westfalen führt verpflichtende "ABC-Kurse" für Kinder ein, die in frühen Sprachtests vor der Einschulung durchfallen. Bildungsministerin Dorothee Feller betont, dass kein Kind die Schule ohne ausreichende Deutschkenntnisse beginnen solle. Kritiker hingegen werfen der Landesregierung vor, das ohnehin überlastete Schulsystem mit der Maßnahme zusätzlich zu belasten, ohne die eigentlichen Probleme zu lösen.
Laut der neuen Regelung müssen Kinder, die die Sprachstandards nicht erfüllen, spezielle Förderkurse besuchen, um ihre Deutschkenntnisse zu verbessern. Doch insbesondere in Städten wie Solingen sind die Grundschulen bereits am Limit: Lernräume sind knapp, teilweise finden Förderangebote sogar in Fluren statt. Der akute Lehrkräftemangel verschärft die Situation weiter – viele Schulen kämpfen bereits damit, das bestehende Programm umzusetzen, geschweige denn zusätzliche Kurse anzubieten.
Fachleute warnen, dass die ABC-Kurse die Verantwortung lediglich von Kitas auf die Schulen verlagern, ohne die Ursachen der Sprachdefizite zu bekämpfen. Jens Merten, Vorsitzender des Verbandes Bildung und Erziehung (VBE) in Solingen, hält die Logistik für "realitätsfremd": Mehrmals wöchentlich Kinder zwischen Kita und Schule hin- und herzutransportieren, sei schlicht nicht umsetzbar. Zudem habe das Land die finanziellen Lasten auf die Kommunen abgewälzt, ohne ausreichend Mittel für neue Räume oder Personal bereitzustellen.
Der VBE schlägt stattdessen ein verpflichtendes letztes Kita-Jahr mit mehr Fachpersonal und stärkerer Einbindung von Hochschulen und Berufskollegs vor. Ohne entsprechende Ressourcen, so die Befürchtung, würden die ABC-Kurse die Lehrkräfte überlasten, die Bildungsqualität verschlechtern und die Burnout-Gefahr erhöhen.
Solange es an Räumen und qualifiziertem Personal mangelt, bleibt das Vorhaben undurchführbar. Schulen fürchten, dass der zusätzliche Druck die bestehenden Engpässe verschärft und Kinder am Ende ohne die nötige Förderung dastehen.
Ziel der ABC-Kurse ist es zwar, die Sprachkompetenz vor der Einschulung zu stärken. Doch bei bereits ausgedünnten Kapazitäten könnte die Maßnahme mehr Probleme schaffen, als sie löst. Ohne zusätzliche Mittel oder Personal droht der Plan, die Belastung für Lehrkräfte und die Schulinfrastruktur im gesamten Land weiter zu verschärfen.
