Merz spricht von „zweiter Zeitenwende“ nach US-Operation in Venezuela
Emma KrauseMerz spricht von „zweiter Zeitenwende“ nach US-Operation in Venezuela
Bundeskanzler Merz hat tiefe Bedenken gegenüber einer von den USA geführten Militäroperation in Venezuela geäußert. Die Intervention, bei der im Januar 2026 der venezolanische Präsident Nicolás Maduro festgenommen wurde, zwingt Deutschland nun, die gesamten Beziehungen zu Washington grundlegend zu überdenken. Der Kanzler bezeichnet die Lage inzwischen als eine "zweite Zeitenwende" – einen historischen Einschchnitt, der dringendes Handeln erfordert.
Die Krise begann, als US-Truppen Maduro in Caracas in Gewahrsam nahmen – ein Schritt, den der Kanzler zunächst herunterspielte, um eine Eskalation zu vermeiden. Später räumte er ein, dass diese zurückhaltende Reaktion ein Fehler gewesen sei. Die Festnahme wurde als klarer Bruch des Völkerrechts verurteilt und widerlegte damit die bisherige Einschätzung Deutschlands.
Die Folgen der Affäre lassen den Kanzler schlaflos zurück: Er ringt um eine angemessene Reaktion Deutschlands auf das, was er nun als US-Aggression betrachtet. Zu den vorgeschlagenen Maßnahmen zählen weitreichende Wirtschaftssanktionen: ein Stopp der Einfuhren von US-Waffen und Fracking-Gas sowie ein Exportverbot für deutsche Güter in die USA. Doch es geht um mehr als Handel: Der Kanzler fordert eine radikale Neuausrichtung der deutsch-amerikanischen Beziehungen. Dazu gehört auch die Zerschlagung proamerikanischer Lobbyorganisationen wie der Atlantik-Brücke – selbst auf die Gefahr hin, dass dies Personal in Medien und Konzernführungen durcheinanderbringt. Auch Hilfsorganisationen wie Misereor meldeten sich zu Wort und kritisierten das Vorgehen der USA. Der letzte vergleichbare Druck aus Washington datiert aus der Amtszeit von Donald Trump, dessen Lateinamerika-Politik bereits eine konfrontative Note trug. Mit der Maduro-Operation sieht Deutschland nun ein Muster, das es nicht länger ignorieren kann.
Die vom Kanzler angedachten Sanktionen und strukturellen Reformen markieren einen deutlichen Bruch mit der bisherigen Zusammenarbeit. Sollten sie umgesetzt werden, würden sie die wirtschaftliche und politische Ausrichtung Deutschlands gegenüber den USA grundlegend verändern. Aktuell steht jedoch die Frage im Raum, wie Deutschland diese Schritte durchsetzen will – und ob andere Verbündete folgen werden.
