"Kein Körper passt": Kims mutige Identitätssuche erobert die Berliner Bühne
Jakob Maier"Kein Körper passt": Kims mutige Identitätssuche erobert die Berliner Bühne
Mutige Bühnenadaption von Kim de l'Horizons preisgekröntem Roman Kein Körper passt feiert Premiere in Berlin
Am Dienstag hatte am Berliner Vaganten Bühne in Charlottenburg eine kühne Theaterfassung von Kim de l'Horizons gefeiertem Roman Kein Körper passt Premiere. Das Stück taucht ein in die Themen Geschlechtsidentität, Familiengeschichte und den Kampf um Selbstakzeptanz – erzählt als eine zutiefst persönliche Reise.
Der Roman, der 2022 sowohl mit dem Deutschen Buchpreis als auch dem Schweizer Buchpreis ausgezeichnet wurde, begleitet Kim auf der Spurensuche nach ihrer mütterlichen Abstammungslinie, die bis ins 14. Jahrhundert zurückreicht. Den Anstoß gibt die Demenzdiagnose ihrer Großmutter, die Kim zwingt, verdrängte Traumata und unausgesprochene Geschichten aufzuarbeiten, die über Generationen weitergegeben wurden.
Auf der Bühne wird Kim von drei Schauspieler:innen verkörpert: Julian Trostorf, Annemie Twardawa und Emma Zeisberger. Ihr gemeinsames Spiel spiegelt die Fließbarkeit von Kims Identität wider, die sich binären Zuschreibungen entzieht. Die Inszenierung verbindet surreale Elemente, darunter eine Modenschau, bei der die Darsteller:innen in weißen Spitzenkleidern über den Laufsteg schreiten – begleitet von einem Puppenkopf, der Kims Großmutter Grandsea symbolisiert.
Kims Weg ist einer des Schweigebruchs und der Verwandlung von Scham in Selbstermächtigung. Durch Sex, Nachtleben und schonungslose Selbstreflexion bewegt sich Kim durch die Widersprüche einer genderfluiden Existenz und sucht gleichzeitig nach einem Verständnis der eigenen Wurzeln und des geerbten Leids.
Die Premiere markiert eine beeindruckende Interpretation von de l'Horizons Werk, die theatrale Experimentierfreude mit der emotionalen Tiefe des Romans verbindet. Indem sie transgenerationale Traumata aufarbeitet und Identität jenseits fester Kategorien feiert, bietet die Adaption eine packende Erkundung dessen, was es bedeutet, zu sich selbst zu gehören – und zu einer zerrissenen Ahnenreihe.






