Jessica Krebbing übernimmt den elterlichen Milchviehbetrieb – ein Zeichen des Wandels
Jakob MaierJessica Krebbing übernimmt den elterlichen Milchviehbetrieb – ein Zeichen des Wandels
Jessica Krebbing wird die erste Frau in ihrer Familie sein, die den Milchviehbetrieb in Hamminkeln, Nordrhein-Westfalen, leitet. Ihre Geschichte spiegelt einen langsamen, aber spürbaren Wandel in der deutschen Landwirtschaft wider, in der Frauen nach wie vor nur einen kleinen Teil der größeren Betriebe führen.
Mit 32 Jahren wird sie den Hof gemeinsam mit ihrem Mann übernehmen und für 200 Milchkühe, 100 Kälber und Jungrinder verantwortlich sein. Immer mehr Frauen wie Krebbing steigen in Führungspositionen auf, die traditionell von Männern dominiert wurden.
Krebbings Alltag umfasst das Füttern, Melken und Besamen der Kühe, das Einstreuen der Ställe sowie das Abdecken der Silos. Ihre Mutter Christa erlebte einst, wie sie als gleichberechtigte Partnerin auf dem Hof kaum wahrgenommen wurde – Verkäufer ignorierten ihre Beiträge oft.
Technische Fortschritte haben die körperlichen Anforderungen der Landwirtschaft erleichtert. Automatische Melkroboter und andere Maschinen sparen Zeit und machen es Frauen leichter, große Betriebe zu führen. Dennoch sind Frauen in Führungspositionen nach wie vor unterrepräsentiert: Bundesweit werden nur 11 Prozent aller Höfe von Frauen geleitet, in Niedersachsen sind es bei Betrieben über 50 Hektar sogar nur 5 Prozent.
Krebbing ist nicht die Einzige, die Familienbetriebe umgestaltet. Lea Im Brahm überzeugte ihren Vater vor einem Jahrzehnt, Apfelbäume zu pflanzen, und lenkte den Hof so in Richtung Obstanbau. Anne Unterhansberg setzte sich für mobile Hühnerställe statt herkömmlicher Haltung ein und betreibt heute einen Pensionsstall für Pferde. Beide Frauen spielen eine zentrale Rolle bei der Modernisierung des Buchholzhofs, eines Direktvermarkters in Mülheim an der Ruhr.
Der Wandel vollzieht sich schrittweise, ist aber unübersehbar. Zwar stellen Frauen über ein Drittel der landwirtschaftlichen Arbeitskräfte in Deutschland, doch nur jeder neunte Betrieb in Nordrhein-Westfalen wird von einer Frau geführt. Die meisten Landwirtinnen leiten kleinere oder diversifizierte Betriebe, seltener große Milchvieh- oder Ackerbauhöfe.
Krebbings Übernahme markiert einen Meilenstein für ihre Familie und zeigt das sich verändernde Gesicht der deutschen Landwirtschaft. Da die Technik körperliche Barrieren verringert, könnten mehr Frauen ihrem Beispiel folgen.
Doch die Zahlen bleiben niedrig, besonders bei größeren Betrieben. Während jüngere Generationen wie Im Brahm und Unterhansberg neue Methoden einführen, könnten sich die traditionellen Strukturen der Branche weiter wandeln.