21 January 2026, 10:09

Islamischer Religionsunterricht in NRW: Warum nur wenige Schüler:innen das erfolgreiche Angebot nutzen

Ein offenes Buch mit einer Weltkugel und einer Palme darauf, umgeben von einem grünen Band, mit der Sonne im Hintergrund und lesbarem Text auf der offenen Seite.

Islamischer Religionsunterricht in NRW: Warum nur wenige Schüler:innen das erfolgreiche Angebot nutzen

Islamischer Religionsunterricht in Nordrhein-Westfalen wird für seine positiven Effekte auf Schüler:innen gewürdigt – doch nur ein Bruchteil der berechtigten Kinder und Jugendlichen nimmt derzeit am freiwilligen Angebot teil. Eine aktuelle Evaluation der Universität Münster unterstreicht die Erfolge des Fachs: Es fördert die religiöse Bildungsfähigkeit und verringert die Abhängigkeit von unkontrollierten Onlinequellen.

Seit dem Schuljahr 2018/2019 wird der Islamische Religionsunterricht (IRU) in konfessionell-kooperativen Modellen (kokoRU) an Grund- und weiterführenden Schulen angeboten. Das Bistum Essen hat in Zusammenarbeit mit pädagogischen Instituten Lehrkräfte für die Umsetzung des Lehrplans ausgebildet. Dennoch bleibt die Teilnahme begrenzt: Nur 247 der rund 5.400 Schulen im Land bieten den staatlich beaufsichtigten IRU an, unterrichtet von 332 qualifizierten Lehrkräften.

Schüler:innen, die am IRU teilnehmen, beschreiben ihn als alltagsrelevant, motivierend und bereichernd. Studien zeigen: Je länger die Teilnahme, desto höher die religiöse Kompetenz – und desto seltener werden starre, befehlsorientierte Glaubensvorstellungen. Auch Lehrkräfte, Eltern und Schulleitungen äußern sich positiv und heben hervor, wie der Unterricht Orientierungswissen und religiöse Ausdrucksfähigkeit stärkt. Die Münsteraner Studie empfiehlt eine Ausweitung des IRU auf alle Schulformen, einschließlich Berufskollegs. Gefordert werden mehr Personal, eine Weiterentwicklung der Lehrpläne und bessere organisatorische Rahmenbedingungen. Zudem schlagen die Forscher:innen vor, Lehrkräfte stärker in interreligiösem Dialog zu schulen und Themen wie Gleichberechtigung, Antisemitismusprävention und Medienkompetenz zu vertiefen.

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Ein weiterer Befund: Wer länger am IRU teilnimmt, ist seltener Plattformen wie TikTok ausgesetzt, die oft regressive religiöse Inhalte verbreiten. Aktuell nehmen jedoch nur 31.673 der rund 500.000 muslimischen Schüler:innen in Nordrhein-Westfalen am Unterricht teil. Die Studie betont, wie wichtig ein flächendeckender Zugang ist, damit mehr Kinder und Jugendliche von der strukturierten religiösen Bildung profitieren.

Die Evaluation macht deutlich: Der IRU leistet einen wichtigen Beitrag zu aufgeklärter, weltoffener Religionsauffassung. Angesichts der noch geringen Teilnahmequote zielen die Empfehlungen darauf ab, das Angebot auszubauen und seine Wirkung zu verstärken. Dafür wären mehr Ressourcen, gezielte Lehrerfortbildungen und ein Lehrplan, der moderne gesellschaftliche Herausforderungen aufgreift, notwendig.