31 March 2026, 08:10

Insolvenz der THTR-Betreiberfirma verschärft das Atom-Erbe in Hamm

Diagramm eines Atomkraftwerks mit einem Haus, einem Turm und Wasser im Hintergrund, begleitet von erklärendem Text.

Insolvenz der THTR-Betreiberfirma verschärft das Atom-Erbe in Hamm

Thorium-Hochtemperaturreaktor THTR-300 in Hamm: Insolvenz der Betreiberfirma verschärft die Altlastenproblematik

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Der Thorium-Hochtemperaturreaktor (THTR-300) in Hamm, Nordrhein-Westfalen, steht vor einem weiteren Rückschlag: Die Betreibergesellschaft, die Hochtemperatur-Kernkraftwerk GmbH (HKG), hat Insolvenz angemeldet. Damit bleibt Aktionären und Steuerzahlern das kostspielige Erbe der seit langem stillgelegten Anlage erhalten.

Der mit erheblichen öffentlichen Mitteln finanzierte Reaktor verschlang insgesamt 1,284 Milliarden Euro aus Bundesmitteln sowie weitere 233 Millionen Euro vom Land NRW. Die Anlage, ausgelegt für eine elektrische Leistung von 300 Megawatt, war eine Weiterentwicklung militärischer Graphitreaktoren und nutzte ursprünglich hochangereichertes, waffenfähiges Uran (93 Prozent Anreicherung) in ihren Brennstoffkugeln. Doch 1977 stoppte US-Präsident Jimmy Carter die Lieferungen solchen hochangereicherten Urans aus Sorge vor Weiterverbreitungsrisiken.

Der Reaktor war nur wenige Jahre in Betrieb, bevor er am 1. September 1989 nach Betriebsstörungen und gebrochenen Haltebolzen in der Heißgasleitung endgültig abgeschaltet wurde. Seitdem befindet er sich im sogenannten "sicheren Einschluss" – ein Zustand, der bereits 36 Jahre andauert und voraussichtlich bis 2027 fortgesetzt wird. Die Stilllegung soll erst 2028 beginnen und bis 2044 dauern.

Unterdessen lagern in der Zwischenlagerstätte in Ahaus weiterhin 305 Castor-Behälter mit rund 675.000 bestrahlten Brennstoffkugeln, für die es noch immer keine endgültige Entsorgungslösung gibt. Die Aktionäre – darunter die Energiekonzerne RWE und E.ON sowie Städte wie Bielefeld, Aachen, Hagen und Wuppertal – zeigen wenig Bereitschaft, die finanziellen Lasten der Stilllegung zu tragen. Seit der Insolvenzanmeldung im September 2025 gab es weder Veränderungen bei den Beteiligungsverhältnissen noch neue Risikominimierungsstrategien.

Mit der Pleite der HKG fällt die Verantwortung für die Zukunft des THTR-300 nun auf Steuerzahler und verbleibende Beteiligte zurück. Angesichts der bevorstehenden Stilllegungskosten und ohne klare Perspektive für die Lagerung des Atommülls bleibt das Erbe der Anlage ungelöst. Der Zeitplan für den Rückbau erstreckt sich bis 2044 – mit langfristigen finanziellen und sicherheitstechnischen Herausforderungen.

Quelle