EU-Saatgutgesetz bedroht kleine Erzeuger und seltene Pflanzensorten
Moritz RichterEU-Saatgutgesetz bedroht kleine Erzeuger und seltene Pflanzensorten
Ein geplantes EU-Gesetz zum Saatguthandel hat bei kleinen Erzeugern und Befürwortern der biologischen Vielfalt Besorgnis ausgelöst. Die derzeit in Verhandlung befindliche Verordnung könnte strenge Zertifizierungsvorschriften und hohe Gebühren einführen, die viele kleine Betriebe vom Markt verdrängen könnten. Unterdessen arbeiten Saatgutbibliotheken in Städten wie Köln und Neuss daran, seltene Pflanzensorten durch die kostenlose Ausleihe von Saatgut zu schützen.
Die Verhandlungen über das neue Gesetz begannen im Februar 2026, wobei das Europäische Parlament Ausnahmen für Kleinproduzenten fordert. Der Rat der Agrarminister hingegen setzt sich für einen strengeren Ansatz ein, der umfassende Kontrollen vorsieht. Sollte die Verordnung verabschiedet werden, könnte der Handel mit traditionellem Saatgut deutlich erschwert werden – mit dem Risiko, dass seltene Sorten verloren gehen.
In Düsseldorf fürchten viele kleine Saatguthersteller, dass das Gesetz ihre Existenz bedrohen könnte. Hohe Zertifizierungskosten und komplexe Regelungen könnten sie zur Aufgabe zwingen, sodass Hobbygärtner künftig nur noch standardisiertes Saatgut von großen Industrieanbietern zur Verfügung hätten. Anne Mommertz, eine Selbstversorgerin, warnte, dass ohne Nischenanbieter viele Pflanzensorten mit der Zeit verschwinden könnten.
Saatgutbibliotheken, wie etwa in Köln und Neuss, verzeichnen bereits eine starke Nachfrage nach bestimmten Sorten. Claudia Neufurth von der Stadtbibliothek Neuss berichtete, dass lokale Gärtner aktiv Saatgut ausleihen, um die biologische Vielfalt zu bewahren. Diese Initiativen könnten noch wichtiger werden, falls das EU-Gesetz den Zugang zu traditionellem Saatgut weiter einschränkt.
Das Ergebnis der EU-Verhandlungen wird entscheiden, ob kleine Saatguthersteller unter den neuen Regeln weiterarbeiten können. Sollten die strengeren Maßnahmen durchkommen, könnten die Bemühungen um den Erhalt der Artenvielfalt noch stärker von lokalen Saatguttausch-Netzwerken abhängen. Die endgültige Fassung des Gesetzes wird die Zukunft des traditionellen Saatguthandels in Europa prägen.