EU-Reform des Emissionshandels: Industrie soll schneller entlastet werden
Jakob MaierEU-Reform des Emissionshandels: Industrie soll schneller entlastet werden
Die Europäische Kommission wird in dieser Woche weitreichende Reformen des EU-Emissionshandels (ETS) vorstellen. Im Mittelpunkt der Änderungen steht die Entlastung energieintensiver Industrien durch eine angepasste Verwaltung der CO₂-Zertifikate. Damit soll der Preis für Kohlendioxid gesenkt und betroffenen Branchen wie der Chemieindustrie schneller finanzielle Unterstützung gewährt werden.
Am Mittwoch wird die Kommission ihre ersten Reformvorschläge für das ETS vorlegen. Eine zentrale Neuerung betrifft die Marktstabilitätsreserve (MSR), die bisher überschüssige Zertifikate vom Markt nimmt, um die Preise zu stabilisieren. Künftig soll diese Entnahme ausgesetzt werden, wodurch das Angebot an Zertifikaten steigt und die Kosten für Unternehmen sinken.
Die Reform sieht zudem dauerhafte Änderungen an der MSR vor: Die vollständige Streichung von Zertifikaten entfällt. Diese Maßnahme soll der Industrie sofortige Entlastung verschaffen, noch bevor die umfassende ETS-Reform in Kraft tritt. Darüber hinaus hat die Kommission zugestimmt, die Referenzwerte für die Chemieindustrie anzupassen, um sie an die bevorstehenden Reformen anzugleichen.
Evonik-Chef Christian Kullmann hatte sich zuvor für eine Abschaffung oder grundlegende Reform des ETS ausgesprochen. Kürzlich verfassten er und der EU-Abgeordnete Peter Liese gemeinsam einen Gastbeitrag im Handelsblatt, in dem sie praktikable Lösungen und ausgewogene Kompromisse bei der Neugestaltung des Systems forderten.
Falls die Reformen im Eilverfahren beschlossen werden, könnten sie noch vor Jahresende in Kraft treten. Durch die erhöhte Verfügbarkeit von Zertifikaten und den Verzicht auf Streichungen will die EU die CO₂-Kosten für belastete Industrien senken. Die Änderungen stellen einen gezielten Versuch dar, Sektoren mit hohen Energiekosten zu entlasten, ohne die Klimaziele aus den Augen zu verlieren.






