Erzbistum Paderborn räumt 489 Missbrauchsfälle ein – Bischof bittet um Vergebung
Emma KrauseBischof von Paderborn Bentz bittet um Vergebung nach Missbrauchsstudie - Erzbistum Paderborn räumt 489 Missbrauchsfälle ein – Bischof bittet um Vergebung
Das Erzbistum Paderborn steht nach einer Studie, die 489 Fälle sexuellen Missbrauchs zwischen 1941 und 2002 aufdeckte, erneut in der Kritik. Bischof Udo Markus Bentz hat die Opfer nun um Vergebung gebeten und die Ergebnisse als Beleg für ein institutionelles Versagen der Kirche bezeichnet. Die Enthüllungen haben zudem die Vorwürfe gegen den verstorbenen Kardinal Johannes Joachim Degenhardt wiederaufleben lassen.
Eine detaillierte Untersuchung förderte 489 Missbrauchsfälle mit 210 beschuldigten Tätern über sechs Jahrzehnte zutage. Die 2023 veröffentlichte Studie hatte zunächst 149 Opfer seit 1945 identifiziert, doch seitdem wurden keine neuen Fälle bestätigt. Wie das Erzbistum am Donnerstag mitteilte, wurden bislang 93 Millionen Euro an Entschädigungszahlungen an Überlebende geleistet.
Bischof Bentz bezeichnete das Ausmaß des Missbrauchs als tiefgreifendes Versagen der Kirche. Seine Entschuldigung wurde von Reinhold Harnisch, Sprecher des Opferverbands, als wichtiger Schritt zur Wiederherstellung der Würde der Betroffenen gewürdigt.
Das Erzbistum kündigte an, die unabhängigen Ermittlungen fortzusetzen und dabei insbesondere die Rolle Kardinal Degenhardts genauer zu prüfen. Ein 2023 erstellter Bericht der Kanzlei Feigen und Graf hatte die Vorwürfe gegen Degenhardt zuvor als nicht glaubwürdig zurückgewiesen. Harnisch unterstützt jedoch inzwischen Forderungen, Straßen umzubenennen, die Degenhardt und seinen Vorgänger, Kardinal Lorenz Jaeger, ehren – beide stehen im Verdacht, Vertuschungen begangen zu haben.
Die katholische Kirche in Deutschland setzt sich seit dem Bekanntwerden der Missbrauchsskandale 2010 mit den Vorfällen auseinander. Seither arbeiten Bistümer bundesweit daran, frühere Vergehen aufzudecken und die Opfer zu unterstützen.
Das Erzbistum Paderborn wird seine Untersuchungen zu historischem Missbrauch weiter vorantreiben. Seit dem Bericht von 2023 wurden zwar keine neuen Fälle bestätigt, doch der Fokus bleibt auf der Aufarbeitung vergangener Versäumnisse. Die Opfer fordern weiterhin Aufklärung – die Entschädigungszahlungen belaufen sich mittlerweile auf 93 Millionen Euro.