Emil Steinberger: Mit 92 Jahren noch voller Neuanfänge und scharfem Witz
Moritz RichterEmil Steinberger: Mit 92 Jahren noch voller Neuanfänge und scharfem Witz
Mit 92 Jahren blickt der Schweizer Satiriker Emil Steinberger in der neuen Dokumentation "Typisch Emil – Loslassen und neu anfangen" auf ein Leben voller mutiger Veränderungen zurück. Bekannt für seinen scharfen Witz und seine Kabarettauftritte, beherrschte er einst die Bühnen der ehemaligen DDR – trotz seines markanten Schweizer Dialekts. Der Film beleuchtet seine Gewohnheit, sich immer wieder neu zu erfinden, ein Thema, das sich auch im Untertitel und in seiner eigenen Lebensphilosophie widerspiegelt.
Steinbergers Karriere war alles andere als gewöhnlich. Mit rund 20 verschiedenen Jobs – vom Postangestellten bis zum Künstler – scheute er nie vor Neuanfängen zurück. Seine Mutter jedoch blieb skeptisch, als er sich von einer festen Anstellung in die Kunstwelt stürzte.
Seine Zeit in der DDR markierte einen Höhepunkt: Das Publikum liebte seinen Humor, selbst wenn die Sprachbarriere eine Herausforderung darstellte. Doch Prinzipien waren ihm wichtiger als Ruhm: Als er erfuhr, dass Karten für Funktionäre reserviert waren und nicht für die Öffentlichkeit, sagte er eine Tournee kurzerhand ab. Die Kunst stand stets im Mittelpunkt seines Lebens. Seine Frau Niccel, ebenfalls Künstlerin, führte ihn an die Ölmalerei heran – eine Leidenschaft, der er sich nach Abschluss der "neuen" Dreharbeiten noch intensiver widmen möchte. Politische Parteien warben um ihn, um für ein Amt zu kandidieren, doch er zieht es vor, Menschen zum Lachen zu bringen, statt Gesetze zu machen. Nun hält der Film seine Reflexionen fest, lässt seine aktuelle Rolle im Leben jedoch bewusst offen. Klar ist: Die Neuerfindung bleibt sein Markenzeichen.
Die Dokumentation zeigt Steinbergers furchtlosen Umgang mit Wandel – von beruflichen Wechseln bis zu kreativen Risiken. Sein Einfluss als Satiriker und Entertainer bleibt bestehen, selbst während er sich neuen künstlerischen Projekten zuwendet. Der Film ist zugleich eine Hommage an sein Lebenswerk und ein Einblick in seinen rastlosen Geist.
