Düsseldorfs "fiftyfifty" kämpft ums Überleben – warum das Magazin der Obdachlosen jetzt droht zu verschwinden
Emma KrauseDüsseldorfs "fiftyfifty" kämpft ums Überleben – warum das Magazin der Obdachlosen jetzt droht zu verschwinden
Düsseldorfs "fiftyfifty"-Magazin, das von obdachlosen Verkäufer:innen angeboten wird, verzeichnet einen drastischen Rückgang der Verkaufszahlen. Die Auflage ist von einst 40.000 Exemplaren auf weniger als 12.000 im Januar dieses Jahres gesunken. Der Einbruch spiegelt nicht nur die allgemeinen Schwierigkeiten des Printmedienmarkts wider, sondern auch eine wachsende Feindseligkeit gegenüber den Verkäufer:innen – insbesondere gegenüber denen mit Migrationshintergrund.
Das von Hubert Ostendorf gegründete Magazin ist seit langem eine Lebensader für Obdachlose. Es bietet nicht nur ein Einkommen, sondern auch Sichtbarkeit und ein Stück Würde für die Menschen, die es auf der Straße verkaufen. Sollte es verschwinden, warnen Unterstützer:innen, droht eine wichtige Stimme marginalisierter Gemeinschaften für immer zu verstummen.
Der Rückgang bei "fiftyfifty" ist Teil eines bundesweiten Trends. In den letzten fünf Jahren ist die Zahl der Straßenzeitungs-Verkäufer:innen um 25 bis 30 Prozent gesunken – von etwa 3.500 auf rund 2.500 bis 2.700. Besonders betroffen sind Städte wie Köln, Düsseldorf und München, während Berlin und Hamburg mit leichten Zuwächsen gegen den Trend schwimmen.
Zunehmender Rassismus und Ablehnung erschweren den Verkauf des Magazins, vor allem für Verkäufer:innen mit Migrationsgeschichte. Gleichzeitig setzt der strukturelle Niedergang der Printbranche "fiftyfifty" stark zu. Um die Kosten zu decken, wurde der Preis auf 3,40 Euro angehoben – immer noch günstiger als ein ÖPNV-Ticket oder ein Kaffee.
Doch das Magazin ist mehr als eine Einnahmequelle. Es steht für Zugehörigkeit, gibt den Verkäufer:innen Halt und Schutz und hält das Thema Obdachlosigkeit im öffentlichen Bewusstsein. Es schafft direkte Verbindungen zwischen den Menschen auf der Straße, den Leser:innen und der Gesellschaft. Über den Verkauf hinaus finanziert "fiftyfifty" wichtige Projekte: von Straßenhilfe über medizinische Versorgung für herrenlose Hunde bis hin zu Wohninitiativen.
Die Mittel stammen vor allem aus dem Verkauf der Print- und Digitalausgaben, wobei die digitale Version "ObdachLOS" wie ein Los funktioniert – mit jedem Verkauf verdienen die Verkäufer:innen Geld. Spenden und Erlöse aus einer Wohltätigkeitsgalerie ergänzen die Finanzierung. Fiele das Magazin weg, stünden all diese Initiativen auf dem Spiel – und mit ihnen eine zentrale Stimme für Obdachlose.
Die Zukunft von "fiftyfifty" bleibt ungewiss, während die Verkaufszahlen weiter sinken. Doch seine Rolle – als Einkommensquelle, Förderer von Hilfsprojekten und Kämpfer gegen Diskriminierung – macht sein Überleben unverzichtbar. Ohne Gegenmaßnahmen könnte der Verlust dieser Plattform viele Menschen ohne Einkommen, ohne Sichtbarkeit und ohne Stimme in der Gesellschaft zurücklassen.