Dortmunds Initiative "Schlaf statt Strafe" kämpft gegen tödliche Obdachlosigkeit
Lukas WolfDortmunds Initiative "Schlaf statt Strafe" kämpft gegen tödliche Obdachlosigkeit
Borussia Dortmund Initiative fordert grundlegende Reformen im Umgang mit Obdachlosen
Die Borussia Dortmund Kampagne "Schlaf statt Strafe" kämpft für tiefgreifende Veränderungen in der kommunalen Obdachlosenpolitik. Die Initiative bringt aktuelle Todesfälle – darunter den von Marlies S. – mit städtischen Vorschriften in Verbindung, die Obdachlose immer wieder zum Wechsel ihres Schlafplatzes zwingen. Die Aktivist:innen fordern nun sichere Unterkünfte, bessere Hilfsangebote und ein Ende der Bestrafung von Menschen, die auf der Straße leben.
Antrieb erhielt die Initiative nach dem Tod von Marlies S., einer ehemaligen Sozialarbeiterin, die im Februar starb. Wegen städtischer Auflagen hatte sie ihren Schlafplatz mehrfach verlegen müssen. Ihr Fall wurde zum Symbol für die Forderung nach mehr Mitgefühl in der kommunalen Politik.
Seit dem Start der Kampagne 2023 gibt es bereits erste Fortschritte: Borussia Dortmund hat 12 langfristige Notunterkünfte und vorübergehende Wohnprojekte eingerichtet, von denen acht bis Mitte 2025 in dauerhafte Lösungen überführt werden sollen. Dazu zählen Erweiterungen bestehender Einrichtungen sowie neue Modulbauten im nördlichen Stadtbezirk.
Doch die Forderungen der Initiative gehen weiter. Gefordert werden mehr öffentliche Toiletten, ein uneingeschränkter Zugang zu Unterkünften und ein "Kältebus", der Obdachlose bei Frost vor der Kälte schützt. Zudem soll die Stadt Obdachlosigkeit nicht länger kriminalisieren – etwa durch die Ahndung von Schwarzfahren als Ordnungswidrigkeit. Die Polizei betont jedoch, sie setze auf einen Ausgleich zwischen Kontrollen und Hilfsangeboten.
Stefan Cramer, der seit neun Jahren in Dortmund obdachlos ist, übernachtet derzeit in einem Abstellraum, hofft aber bald eine eigene Wohnung zu bekommen. Er schlägt vor, die Stadt könnte mehr tun, indem sie direkt Wohnraum anmietet und zur Verfügung stellt. Die Initiative verweist darauf, dass die Verantwortlichen das Problem mittlerweile ernst nehmen – neue Unterkünfte und Hilfsangebote seien ein erster Schritt.
Mit einem Gedenkmarsch soll an fünf Obdachlose erinnert werden, die in diesem Winter starben. Die Aktion soll den Druck auf die lokalen Behörden aufrechterhalten, endlich zu handeln.
Die Kampagne "Schlaf statt Strafe" hat bereits neue Unterkünfte und Wohnzusagen bewirkt. Mit der dauerhaften Einrichtung von acht der zwölf Projekte geht Borussia Dortmund erste Schritte gegen Obdachlosigkeit. Doch die Aktivist:innen bestehen darauf: Es muss noch mehr getan werden, um weitere Todesfälle zu verhindern und den Menschen auf der Straße Würde zu garantieren.
