Die Tödliche Doris: Radikale Retrospektive im Weserburg Museum bricht mit Konventionen
Jakob MaierDie Tödliche Doris: Radikale Retrospektive im Weserburg Museum bricht mit Konventionen
Bahnbrechende Ausstellung im Bremer Weserburg Museum: Erste große Retrospektive von Die Tödliche Doris - Neuigkeiten aktuell auf ARD live
Im Bremer Weserburg Museum hat eine wegweisende Ausstellung ihre Pforten geöffnet – die erste große Retrospektive der legendären Tödlichen Doris. Die Schau feiert das radikale Schaffen eines Punkbands und Künstlerkollektivs, das in den 1980er-Jahren alle Konventionen sprengte. Zwar nicht überwältigend im Umfang, hinterlässt die Präsentation mit ihrem mutigen, multidisziplinären Ansatz einen starken Eindruck.
Gegründet wurde das Kollektiv 1980 von zwei Kunst- und Filmstudenten, Wolfgang Müller und Nikolaus Utermöhlen. Ursprünglich als Punkband gestartet, erweiterte Die Tödliche Doris schnell ihr Spektrum auf Film, Fotografie, Literatur und Performance. Ihre Arbeiten stellten kulturelle Normen infrage und lehnten traditionelle Musikproduktion ab – verwurzelt in der West-Berliner Underground-Szene.
1981 traten sie beim Festival der genialen Dilettanten im Tempodrom auf und festigten damit ihren Ruf als Provokateure. Ein besonderes Werk, Die Totalität allen Lebens und alles Darüberhinaus, blieb ihr einziges Gemälde – ein bewusster Kontrast zu ihren sonstigen Medien. Die Gruppe hinterfragte ständig künstlerische Identität, behandelte sie als etwas Fließendes, das vom Publikum neu interpretiert werden konnte. Nach Utermöhlens Tod 1996 führten Müller und Danny van Bergen das Kollektiv weiter, bis es 2005 offiziell aufgelöst wurde. Obwohl sich Tödliche Doris bereits 1987 auflöste, wirkte ihr Einfluss in den multimedialen Werken späterer Künstler wie Christoph Schlingensief oder Pipilotti Rist nach. Die aktuelle Ausstellung fängt ihre rastlose Kreativität ein – überlappende Super-8-Filme schaffen eine dynamische, fast „summende“ Atmosphäre.
Die Retrospektive im Zentrum für Künstlerpublikationen bietet eine seltene Gelegenheit, Die Tödliche Doris in voller Bandbreite zu entdecken. Ihre disziplinübergreifenden Experimente und ihr rebellischer Geist hallen bis heute in der zeitgenössischen Kunst nach. Die Ausstellung läuft bis auf Weiteres und lädt ein, einen prägenden Moment der Avantgarde-Geschichte zu erleben.
