Biogasbranche in der Krise: Tausende Anlagen drohen nach EEG-Ende stillzulegen
Jakob MaierBiogasbranche in der Krise: Tausende Anlagen drohen nach EEG-Ende stillzulegen
Deutschlands Biogasbranche steht vor tiefgreifenden Umbrüchen, denn Tausende Anlagen nähern sich dem Ende ihrer 20-jährigen Förderperiode. Bis 2031 verlieren rund 8.000 der bundesweit 10.000 landwirtschaftlichen Biogasanlagen ihre Subventionen nach dem Erneuerbare-Energien-Gesetz (EEG). Die Veränderung zwingt bereits jetzt einige Betreiber, ihre Produktion zurückzufahren – mit der Folge, dass lokale Verbraucher ohne erneuerbare Wärme auskommen müssen.
Eine aktuelle Studie aus dem Jahr 2024 zeigt, dass Biogas bis 2040 die Hälfte der Stromlücke in wind- und sonnenarmen Phasen decken könnte. Doch trotz dieses Potenzials kämpfen Betreiber wie die Familie Benning in Nordrhein-Westfalen mit Stilllegungen und rechtlicher Unsicherheit. Die Bennings, die in Reken-Hülsten eine Biogasanlage betreiben, mussten nach dem Auslaufen der EEG-Förderung eines ihrer fünf Blockheizkraftwerke (BHKW) abschalten. Die Stilllegung zwang nahegelegene Wärmeabnehmer – darunter ein Kloster und eine weiterführende Schule –, wieder auf fossile Brennstoffe für die Heizung umzusteigen. Dieser Fall steht exemplarisch für ein größeres Problem: Ohne Subventionen ist der wirtschaftliche Betrieb vieler Anlagen kaum noch möglich.
Seit 2023 sind Biogas-Ausschreibungen in Deutschland regelmäßig überzeichnet, wobei Betreiber wie die Bennings immer wieder leer ausgehen. Dennoch plant die Familie, ihren Standort Maria Veen für eine flexible, bedarfsgerechte Stromerzeugung umzurüsten und sich in künftigen Ausschreibungsrunden zu bewerben. Ihr Vorhaben passt zu einem wachsenden Trend: Rund 1.100 Anlagen in Nordrhein-Westfalen erzeugen bereits heute Strom und Wärme unabhängig von Wetterbedingungen.
Ende 2024 legte die Bundesregierung ein neues Biogas-Paket vor, um Anlagen zu fördern, die Strom flexibel ins Netz einspeisen. Doch die EU-Kommission hat das Gesetz noch nicht genehmigt – die Betreiber bleiben damit in einer rechtlichen Grauzone. Experten schätzen, dass Biogas langfristig bis zu 50 Prozent des verbleibenden Strombedarfs Deutschlands decken könnte – vorausgesetzt, die regulatorischen Hürden werden überwunden.
Das Auslaufen der EEG-Förderung bedroht Tausende Biogasanlagen, treibt einige in die Stilllegung und drängt Verbraucher zurück zu fossilen Energieträgern. Zwar birgt der Sektor großes Potenzial für die Stabilisierung der erneuerbaren Energien, doch Verzögerungen bei der EU-Genehmigung und der harte Wettbewerb um Förderverträge erschweren die Lage. Ohne schnelle Lösungen riskiert Deutschland den Verlust einer wichtigen, wetterunabhängigen und flexiblen Energiequelle.






