Bergkamen plant Wasserstoff-fähiges Gaskraftwerk – doch der Bund bremst aus
Moritz RichterBergkamen plant Wasserstoff-fähiges Gaskraftwerk – doch der Bund bremst aus
In Bergkamen, Nordrhein-Westfalen, soll ein neues Gaskraftwerk das bestehende Kohlekraftwerk ersetzen. Das von Steag-Iqony geleitete Projekt zielt darauf ab, die Energiewende in Deutschland zu unterstützen und gleichzeitig die Option für eine spätere Umstellung auf Wasserstoff offen zu halten. Doch Verzögerungen bei den Ausschreibungskriterien des Bundes sorgen bei dem Unternehmen und anderen Branchenvertretern für Unsicherheit.
Das Steag-Iqony-Kohlekraftwerk in Bergkamen läuft derzeit auf vollen Touren – obwohl es eigentlich als Reserveanlage dient. Werksleiter Thorsten Koch äußert sich unterstützend zum Kohleausstieg und dem Wechsel zu saubereren Energiequellen.
Die Pläne für das neue Gaskraftwerk sind bereits weit fortgeschritten: Steag-Iqony hat die lokalen Behörden einbezogen, Umweltverträglichkeitsprüfungen eingeleitet und wichtige Komponenten beschafft. Die Anlage ist so konzipiert, dass sie später auf "grünen" Wasserstoff umgestellt werden kann und damit ein flexibler Bestandteil des künftigen deutschen Energiemix wird.
Nordrhein-Westfalen drängt auf einen erheblichen Anteil der vom Bund geplanten 12-Gigawatt-Förderkapazität. Das Land fordert fünf Gigawatt für seine Region, gestützt durch eine "Süd-Bonus"-Regelung, die Standorte mit hohem Energiebedarf und guter Netzanbindung – wie Bergkamen – begünstigt. Diese Regelung schließt de facto neue Anlagen in Nord- und Ostdeutschland aus.
Doch der Prozess stockt: Bundeswirtschaftsministerin Katharina Reiche hat die notwendigen Ausschreibungskriterien für die Teilnahme der Unternehmen noch nicht veröffentlicht. Anfang 2026 gibt es weiterhin keine konkreten Zeitpläne, da zusätzliche Verzögerungen durch EU-Genehmigungsverfahren entstehen.
Trotz fehlender Bundesvorgaben schreitet das Bergkamener Projekt voran. Bei einer Genehmigung könnte das neue Gaskraftwerk eine zentrale Rolle in der Energieversorgung Nordrhein-Westfalens spielen – und gleichzeitig den Weg für eine spätere Wasserstoffnutzung ebnen. Die Verzögerung bei den Ausschreibungskriterien lässt Steag-Iqony und andere Unternehmen jedoch weiter auf Klarheit über die nächsten Schritte warten.
