Apotheker warnen vor Kollaps: Reformen gefährden Patientenversorgung
Deutsche Apotheker haben alarmierend vor einer tiefen Krise des hiesigen Apothekensystems gewarnt. Die Spitzenvertreter der ABDA, des Bundesverbandes der Apotheker, fordern dringende Nachbesserungen an den von der Regierung geplanten Reformen. Ohne zentrale Änderungen, so ihre Argumentation, werde es für Apotheken zunehmend schwieriger, den wachsenden Bedürfnissen der Patienten gerecht zu werden.
Auf einer Mitgliederversammlung betonte Dr. Armin Hoffmann, Präsident der Apothekerkammer Nordrhein, dass jetzt der Zeitpunkt für letzte Korrekturen sei. Der Verband hat fünf dringende Handlungsfelder ausgemacht – neben Dutzenden weiterer Mängel im Gesetzentwurf.
Die Forderungen der ABDA konzentrieren sich auf zwei zentrale Punkte. Zum einen pochen sie auf eine Erhöhung der festen Vergütung für Apotheken, die Dr. Hoffmann als unverzichtbar für die Erfüllung umfassender Versorgungsaufgaben bezeichnete. Zum anderen fordern sie die Abschaffung des Rabattverbots für Barzahler – eine Maßnahme, die ihrer Ansicht nach einfach und praxisnah umsetzbar wäre.
Dr. Hoffmann warnte zudem, dass das Modell der inhabergeführten Apotheken um jeden Preis erhalten bleiben müsse. Er verwies auf einen besorgniserregenden Trend: Immer mehr Patienten mit sinkender Gesundheitskompetenz belasteten die Apotheken, doch die Reformen gingen auf diese Herausforderung nicht ein. ABDA-Präsident Thomas Preis unterstrich diese Sorgen und erklärte, die Apotheken stünden „bis zum Hals in der Krise“. Er forderte eine intensive Lobbyarbeit, um die Pläne nachzubessern.
Zunächst hatten die Ankündigungen der Koalition Hoffnung auf bessere Vergütungsregelungen gemacht. Doch als Gesundheitsministerin Nina Warken (CDU) auf dem Deutschen Apothekertag die Eckpunkte vorstellte, mehrten sich die Zweifel. Die ABDA hat etwa 30 bis 35 Punkte identifiziert, die überarbeitet, korrigiert oder erweitert werden müssten.
Statt sofortiger öffentlicher Proteste setzt der Verband bis zum 17. Dezember auf den Dialog mit den Politikern. Dr. Hoffmann bezeichnete die aktuelle Situation als Scheideweg: Die Gesundheitsversorgung halte mit den gesellschaftlichen Veränderungen nicht Schritt. Ziel sei es, eine Eskalation zu vermeiden und gleichzeitig substanzielle Anpassungen des Gesetzes durchzusetzen.
Die ABDA wird die Verhandlungen mit den Entscheidungsträgern fortsetzen, um die drängendsten Probleme zu lösen. Bei Erfolg könnten die Änderungen die finanzielle Belastung der Apotheken verringern und die Patientenversorgung verbessern. Die kommenden Wochen werden zeigen, ob die Reformen den dringenden Bedürfnissen des Sektors gerecht werden.






